Erneuter hoher Besuch in Lutzemburg

24.07.26 21:26

von Johanna

Nachdem uns vor ein paar Tagen bereits Vize Bürgermeisterin Frau Mann besucht hatte, besuchte uns Heute Vormittag Herr Emmerich, der Grüne Abgeordnete des Deutschen Bundestages für Ulm und den Alb-Donau-Kreis, in unserem Staat Lutzemburg. Nachdem er durch unseren Staat geführt wurde, das Parlament und auch den Präsidenten besucht hatte, dürfte unser Reporter Team noch ein interview mit ihm führen. Dieses lief wie folgt:

„Guten Tag Herr Emmerich, wir haben einige Fragen für Sie.“

„Ja.“

„Denken Sie, dass Schule als Staat das politische Engagement von Jugendlichen fördert?“

„Also ich hoffe es, weil es ist natürlich wirklich ein beispielgebendes Projekt bei dem man lernt wie Demokratie funktioniert, wie das Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniert, auf was man achten muss, damit alle in einem Gemeinwesen einen guten Platz haben und […] deswegen hoffe ich schon dass das auch etwas auslöst und für viele eine Initialzündung ist, um sich dann weiter politisch zu engagieren, es gibt ja viele Möglichkeiten, politische Jugendorganisationen von den Parteien, aber auch darüber hinaus Möglichkeiten auf kommunaler Ebene, projektbezogen bei vielen verschiedene Initiativen und Vereinen. Und wenn man aus Schule als Staat das raus nimmt, dass es sich lohnt sich einzubringen und engagieren und das dann auch im echten Leben macht, dann ist wirklich schon sehr viel gewonnen.“

„Vielen Dank. Sie sind ja jetzt hier [im Staat] schon ein bisschen rumgelaufen, gab es irgendeinen Stand der ihnen besonders aufgefallen ist, der Sie besonders angesprochen hat?“

„Also ich hab gerade gehört, dass der Secondhand Shop hervorragend läuft und das ist ja schon mal eine sehr gute Geschichte, weil das auf der einen Seite natürlich sehr nachhaltig ist, wenn man Klamotten wiederverwendet und wenn das dann auch noch so gut ankommt, dass sich das Geschäft lohnt, dann ist das glaube ich eine sehr Runde Sache und ansonsten habe ich schon sehr viele kulinarische Angebote gesehen, die, ja, sehr lecker aussehen. Gerade ist ein Burger an mir vorbeigelaufen, der sah sehr lecker aus, also, der ist nicht gelaufen“ [lacht] „Genau und deswegen gibt’s ein sehr buntes Angebot und das gefällt mir sehr gut.“

„Vielen Dank. Wir haben noch einige politische Fragen. Zum einen und das würde mich vor allem persönlich sehr interessieren, wie können Sie es erklären, dass wenn eine Frau und ein Mann im gleichen Job, den gleichem Beruf, die gleiche Tätigkeit ausführen und die Frau trotzdem weniger bezahlt wird als der Mann?“

„Ja, so etwas darf natürlich eigentlich nicht sein, weil natürlich es so sein sollte, dass die gleichen Personen, im gleichen Job, unabhängig vom Geschlecht, beim gleichen Status auch gleich viel verdienen. Es gibt aber immer noch Fälle, wo das nicht der Fall ist und deswegen gibt es auch verschiedene Überlegung über europäische Regelungen, da einen Riegel vorzuschieben und dafür zu sorgen, dass es da den gleichen Lohn gibt, für die gleiche Arbeit, das ist ein ganz wichtiger Grundsatz. Das Problem geht aber ja noch weiter, dass wir auch eine Lohn Lücke haben, dadurch dass Frauen eben auch vielfach durch die Tatsache dass sie sich stärker um die Kinder kümmern, etc., dass Frauen oft eine Lohn Lücke haben, weil sie häufiger in Minijobs sind, in Teilzeitarbeit und auch in, ja, Pflegebereichen und Careberufen arbeiten, wo man weniger verdient, als jetzt zum Beispiel in Industrieberufen und auch dadurch sind Frauen benachteiligt und auch das ist eine Aufgabe, auch darüber zu sorgen dass es mehr Gleichberechtigung gibt und dann auch über den Weg mehr Lohn für Frauen.“

„Vielen Dank. Wie kommt es eigentlich dass sie in der Politik sind? Woher kam dieser Wunsch in der Politik zu sein?“

„Also bei mir Zuhause gab es schon auch immer politische Gespräche, aber wir waren kein super politisches Haus und bei mir war das trotzdem einfach dann so ein Grundinteresse und ich hatte eine sehr engagierte Gemeinschaftskunde Lehrerin, die Frau Metzger und die hat mein politisches Interesse gesehen, gestärkt und gefördert. Das heißt, zum Beispiel, früher wenn bei uns an der Schule Abgeordnete zu Besuch waren, war ich einer derer die zum Beispiel Interviews gemacht hat oder sich trotzdem, anders irgendwie eingebracht hat und ja, deswegen hatte ich da schon immer so einen Bezug zu, hab dann sehr viel Nachrichten gelesen, Zeitung gelesen und irgendwann entschieden: ich will jetzt nicht nur meckern, sondern auch machen und dann hab ich mir die verschiedenen Programme angeschaut und irgendwann mich dann für die Grünen entschieden.“

„[...] Was würden Sie Jugendlichen raten die gerne etwas großes machen würden?“

„Also ich würde immer sagen dass man halt, mutmaßlich, nur ein Leben hat und dass man da die Zeit nicht verstreichen sollte mit Dingen wo man vielleicht nicht voll zufrieden ist, wo man nicht glücklich ist sondern einfach denkt, ja, das macht man jetzt weil man es machen muss und genau das ist einfach, ich hab jetzt da keinen schlauen Spruch, aber ich glaube man sollte schon, dass was man einfach sich vorstellt für sein Leben, da sollte man an dem Ziel dranbleiben, das verfolgen und dann klappt das und wenn das klappt ist das Super und wenn das dann irgendwann nicht mehr klappen sollte, dann kann man ja immer noch auf einen Plan B schalten, aber so würde ich das angehen.“

„Worauf können Jugendliche sich freuen […] bezüglich dem, was in der Politik gerade passiert, auf die Zukunft bezogen. Was sind so, sagen wir mal 3 Sachen, die gerade in der Politik passieren […] ?“

„Eine sehr gute Frage“ [lacht] „Jetzt muss ich tatsächlich kurz überlegen, weil ich um ehrlich zu sein gerade vor allem sehr viel damit konfrontiert bin, dass ich Dinge sehe, wo ich finde die sind jetzt nicht im Sinne der Jugend. Sei es nun die Diskussionen rund um Social Media Verbot, sei es Fragen rund um Krieg und Frieden, Wehrdienst und all solche Dinge, wo ich glaube dass auch einfach da nochmal sehr viel abverlangt werden wird auch von jungen Menschen. Was ich aber dennoch glaube ist, dass am Ende des Tages, wir halt hier auch, sag ich mal, als liberale Demokratien in Europa, als Demokratie in Deutschland, schon eine ungemeine Stärke haben und eine sehr große Handlungsfähigkeit am Ende des Tages. Und wir, glaube ich, alle die irgendwie Sorge haben um unsere Demokratie oder auch um die Zukunft, wie es hier wirtschaftlich weitergeht, würde ich immer sagen dass man in den letzten, ja, 70 Jahren auch gezeigt hat wie viel Kraft so ein Land entfalten kann, wie viel stärke da drin steckt und ich glaube wenn da alle an einem Strang ziehen, dann ist das auch für die Jugend eine sehr gute Perspektive. Und wenn wir unsere verschiedenen Krisen, im Blick auf die Klimakrise, im Blick auch auf die Fragen von: „Wie schaffen wir es, dass in Europa wieder Frieden herrscht?“. Wenn wir das alles in den Griff bekommen, dann ist es glaube ich so dass für die Jugend eine sehr gute und große Zukunft bereitsteht.“

„Vielen Dank. Würden Sie jetzt, einfach so, 3 Dinge an der Politik in Deutschland, an verschiedenen Situationen in Deutschland ändern können, welche 3 Dinge würden sie ändern?“

„Was würde ich sofort ändern? Also, ich würde sofort ändern, dass wir das schaffen die Klimaziele einzuhalten. Es gibt gerade einen großen Rollback im Bereich der Energiewende, dass der Ausbau von erneuerbaren Energie zurückgeschraubt wird und das ist sehr fatal, weil erneuerbare Energien sind ein sehr wichtiger Beitrag für den Klimaschutz , aber auch für unsere Unabhängigkeit gegenüber autoritären Staaten, wie zum Beispiel Russland oder auch anderen Ländern. Deswegen ist das der erste Punkt in diese Richtung weiterzugehen. Der zweite Punkt wäre, dass ich ein Demokratiefördergesetz auf den Weg bringen würde, mit dem Zivilgesellschaftliche Initiativen unterstützt werden, verlässlich finanziert werden, damit sie Demokratieförderprogramme auf den Weg bringen können bzw. die die es schon gibt auch eine sichere Zukunft haben, das wäre der zweite Punkt. [...] Der dritte Punkt wäre für mich, dass wir dafür sorgen dass wir in dem Land einfach sicher leben können. Das heißt, dass wir dafür sorgen, dass die Sicherheitsbehörden gut ausgestattet sind, dass wir auch ein Land haben, in dem man weiter sicher und frei leben kann, ohne Sorge davor zu haben müssen, dass irgendwelche Extremisten oder Feinde der Demokratie dieses Land hier angreifen bzw. versuchen dieses Land zu übernehmen und da ist es eben auch wichtig, dass man da Sicherheitsbehörden hat, weil man eben sieht dass es da Überschneidungen gibt zwischen zum Beispiel rechtsterroristischen Gruppierungen und auch extremistischen Parteien, wie zum Beispiel der AfD. Und da entsprechend resilient zu sein, das, glaube ich, ist sehr, sehr wichtig.“

„Könnten Sie sich einer dieser drei Punkte aussuchen, die Sie gerade genannt haben und mir so ganz grob beschreiben wie Sie ihn am besten umsetzen würden? Also wie das funktioniert, wenn ein Mitglied der Partei eine Idee hat, wie das dann im Endeffekt umgesetzt wird?“

„Also, wenn wir jetzt über den Klimaschutz reden, ist es so, wenn ein Mitglied einer Partei eine Idee hat, dann stellt die Person einen Antrag auf einen Parteitag und dann wird das da diskutiert und am Ende, im besten Fall beschlossen. Und wenn man dann Regiert, kann man einfordern, dass das was auf dem Parteitag beschlossen wurde dann auch Regierungseinzug hat. Das kann man entweder dadurch machen, dass man es in den Koalitionsvertrag schreibt, den dann die Regierungskoalition aushandelt. Das heißt, man muss dann auch nochmal den anderen Partner davon überzeugen, nicht nur den eigenen Parteitag. Und wenn es dann im Vertrag drinsteht, ist es so, dass man dann halt je nach dem schauen muss, gibt es auch die finanziellen Mittel dafür, falls es Geld kostet, denn manche Dinge kosten ja Geld, manche kosten kein Geld. Und dann muss man es eben im Bundestag einbringen oder im Landtag, dann ein Gesetz schreiben, wo das dann entsprechend geregelt wird. Dann wird das da auch nochmal abgestimmt und im Bundestag muss es dann je nach dem auch in den Bundesrat, das heißt die Bundesländer müssen noch zustimmen und wenn das alles so geklappt hat, wie jetzt zum Beispiel im Blick auf ein erneuerbaren Energien Gesetz, dann hätte man das am Ende beschlossen.“

„Vielen Dank. Das war's jetzt vor erst mit den politischen Fragen. Ich wollte fragen, wie stehen Sie dazu, dass jetzt eine Woche Schule ausfällt für uns und wir stattdessen hier kochen und essen“ [beide lachen]

„Ja, gut, also so würde ich das ja nicht bezeichnen, weil ich glaube es wird sich glaube ich viel darüber beschwert, ich weiß das auch noch, als ich Schüler war und auch sonst gibt es ja immer Beschwerden von Schülerinnen und Schülern, dass man in der Schule nicht so wirklich aufs Leben vorbereitet wird, dass man aus der Schule rausgeht und nicht weiß was ist eigentlich eine Steuererklärung und solche Dinge. Und ich glaube bei Schule als Staat kriegt man halt sehr viel Rüstzeug auch an die Hand, wie eigentlich das Leben funktioniert, auf was man achten muss, wie so ein Staat funktioniert, wie so ein Gemeinwesen funktioniert und deswegen ist es glaube ich auf der einen Seite natürlich schön, wenn man auch ein bisschen kochen kann und da auch was leckeres zu Essen bekommt, aber das tolle ist ja, dass man gleichzeitig noch was fürs Leben mitnimmt und viel auch, sag ich mal, über das Leben in der Gesellschaft lernt und deswegen ist es ja schön dass man beides hat: leckeres Essen und noch was fürs Leben mitnimmt.“

„Absolut. Wie würden Sie denn Schule als Staat in drei Worten beschreiben?“

„Demokratie, Gemeinwesen und Zusammenhalt.“

„Voll schön. Und jetzt die letzte Frage: was gibt Ihnen Hoffnung in Bezug auf die Zukunft? Weil es passieren ja sehr viele Dinge in der Welt, die uns verunsichern können, wo man nicht ganz weiß, was jetzt kommen wird, was die Zukunft uns bereit hält. Was ist so eine Sache die Ihnen wirklich Hoffnung gibt […] ?“

„Es ist so, ich bin ja immer der Meinung, das gerade junge Menschen jetzt sehr viel Sorge haben, es gab ja auch verschiedene Studien, das junge Menschen dieser Generation die ersten sind, die mit Blick auf die Zukunft erwarten dass sie schlechter wird als die Gegenwart, das gab es so in der Vergangenheit noch nicht. Wenn man jetzt aber mit älteren Menschen, also mit Boomern spricht, dann reden die darüber, wie die Zeiten waren im kalten Krieg und wie viel Sorge man da hatte. Und auch die haben es geschafft das Ruder rumzureißen, dass mehr Frieden entstanden ist in Europa, zwischenzeitlich und dass auch der Wohlstand ausgebaut werden konnte und dass auch verschiedene Umweltrisiken vermindert werden konnten und auch die Fragen von Gleichberechtigung haben sich ja auch verbessert. Das heißt, die Dinge laufen zwar nicht immer nur linear, positiv, in eine Richtung, aber über ganz weite Strecken und Dekaden gedacht, ist es schon so, dass die Welt zivilisatorischer wird, demokratischer. Und auf eine Art und Weise mehr Gerechtigkeit, mehr Gleichberechtigung, progressiver einfach und das ist etwas was uns glaube ich allen Hoffnung geben kann.“

„In Ordnung, vielen Dank!“

Interview: Andrada Griga(8a), Lutz of News
Report: Johanna Kristen(9a), Lutz of News

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