Frau Mann im Kreuzverhör
23.07.26 10:24
von Isabel Müller
Welche Stimmung im Bezug auf das Projekt konnten Sie bei Ihrem Besuch wahrnehmen?
Das ist was wahnsinnig lebendiges und eine ganz ganz positive Energie und ich sehe, dass unglaublich viel positive Ideen, Gedanken und ganz viel Engagement hier drinsteckt, auch von Seiten des Orga Teams, die das ja schon seit 2 Jahren vorbereiten und das ist einfach total schön zu sehen wie alle so engagiert an dem Projekt mitarbeiten.
Haben Sie denn einen Stand oder eine Attraktion, der Ihnen besonders ins Auge gestochen ist?
Auffallend ist, dass es sehr sehr viele kulinarische Angebote gibt. Das sieht alles sehr lecker aus. Aber ich finde es toll, dass es auch Kreatyvangebote gibt, wo man sich künstlerisch ein bisschen verwirklichen kann, zum Beispiel der T-Shirts Verschönerungstand. Ein Zirkusprojekt gibt es auch, das hab ich jetzt nicht selbst gesehen, das ist sicherlich auch ganz wertvoll. Weil sich selbst ausprobieren, eigenen Ausdruck finden, seine Kreativität ein bisschen nachspüren ist glaube ich was sehr sehr wichtiges und eine ganz wichtige Kompetenz für die Zukunft. […]
Wie stehen Sie denn dazu, dass dieses Projekt nur alle 4 Jahre stattfindet, finden Sie das sollte öfter stattfinden?
Also ich finde es sollte nicht seltener stattfinden, wenn die Schule das leisten kann und die Schüler/-innen, die das ja auch maßgeblich mit organisieren, weil das aus meiner Sicht schon eine tolle Erfahrung ist, sich mal so aktiv selbst zu überlegen, was eigentlich so einen Staat ausmacht, was es alles braucht und wie komplex manchmal demokratische Entscheidungsfindungsprozesse sind und was eben auch jede Entscheidung des Parlaments an praktischen Auswirkungen für das Leben von vielen anderen Menschen hat, das ist glaube ich eine sehr sehr wertvolle Erfahrung, die man ja sonst im Leben nicht so direkt macht. Und deshalb finde ich’s gut, wenn es nur alle 4 Jahre ist, dann kann man im Laufe seiner Schulzeit auch unterschiedliche Rollen und unterschiedliche Positionen in einem Staat wahrnehmen. Ich mein in der fünften Klasse hat man noch ein bisschen andere Möglichkeiten, einen anderen Horizont als dann in der Jahrgangsstufe oder irgendwo dazwischen und es ist glaube ich gut, wenn man sich da mit unterschiedlichen Kompetenzen ausprobieren kann.
Denken Sie, als politisch aktive Person, dass das politische Engagement von Schüle/-innen durch solche Projekte gefördert wird, dass sie motivierter sind sich mehr mit Politik zu beschäftigen?
Das hoffe ich auf jeden Fall und ich würde mich natürlich auch freuen, falls es eine Evaluation gibt bei euch, dass man sowas dann auch versucht nochmal rauszufinden und im Nachgang, vielleicht auch mit einem jähr abstand, nochmal so eine kleine Umfrage zu machen und sagen: „wirkt das irgendwie noch nach, habt ihr mehr Interesse an verschiedenen Themen dadurch, bringt ihr euch irgendwo ein, weil das Projekt euch dazu ermutigt hat und weil Lutzenburg euch da so einen Kick gegeben hat“, das fände ich total schön zu sehen. Wissen tue ich es nicht, ich würde es mir wünschen und ich glaube aber auch dass am Ende an der einen oder anderen stelle auch was bleibt.
Wie stehen Sie denn dazu, dass für alle Schüler/-innen eine Woche der Unterricht ausfällt, damit dieses Projekt stattfinden kann?
Ich persönlich bin der Meinung, dass Fachwissen wichtig ist aber nicht das einzige was Schule heutzutage verkörpern sollte und deswegen finde ich Projekte, die eine soziale Kompetenz, die Demokratiebildung, die Kreativitätsförderung [beinhalten] unglaublich wichtig und glaube auch, dass die zeit gut eingesetzt ist, wenn mal immer mal wieder auch solche Themen so einen großen Raum gibt.
Hatten Sie selber in Ihrer Schulzeit Erfahrungen mit solchen Projekten?
Leider Nein, das gab damals noch nicht.
Hätten Sie Sich das denn gewünscht?
Ich glaube ich hätte das sehr cool gefunden, weil es einfach auch die Chance gibt sich ein bisschen auszuprobieren. Ich hätte nie gedacht, dass ich später mal so einen Beruf mache, aber wer weiß, vielleicht kann man das ja; [bei den] Kolleginnen und Kollegen, die heute im Parlament sitzen, merkt vielleicht der Eine oder Andere: „ das ist etwas, das mich super interessiert und vielleicht auch etwas, das ich irgendwie gut kann, mich vor Anderen ausdrücken und vor Anderen sprechen.“ Und bei manchen vielleicht auch: „Ne, ist nicht meins, aber es ist trotzdem gut, dass es Leute gibt, die sowas machen.“ Beides ist eine wertvolle Erfahrung.
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Von dem was Sie jetzt vom Parlament gesehen haben, die verschiedenen Parteien und Sitze, wie finden Sie das?
Das halte ich auf jeden Fall für demokratisch, auch, dass die Parteien durchaus unterschiedliche Programme vertretenen, dass es bestimmte Funktionen gibt, und Rollen, die eben versuchen, diesen Diskurs zwischen den Parteien um Inhalte und das Ringen um die richtigen Lösungen zu moderieren und die da eine ordnende Rolle haben, damit man in der Debatte auch entsprechend wertschätzend und respektvoll bleibt mit den Anderen. Aber wie es in der Praxis umgesetzt wird, davon habe ich jetzt leider noch nicht so viel Ahnung.
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Sie haben ja in Ihrer Rede bei der Parlamentssitzung den Herrn Ansbacher zitiert und Sie meinten, dass wir hier in Ulm eine lange Demokratiegeschichte haben. Finden Sie denn solche Projekte unterstützen die Demokratiegeschichte […] oder sollte man das getrennt sehen […]?
Ich finde, dass diese Projekte wichtig sind um den demokratischen Gedanken einfach nochmal anders zu verfestigen. Wann immer ich mich mit etwas beschäftige, was meine Lebensrealität direkt betrifft, dann ist es was, was sehr viel schneller emotional hängen und haften bleibt und wo ich einfach merke, dass es für mich eine Bedeutung hat […] Am Ende des Tages geht es immer darum, dass man schaut, wie kann man sich auf demokratische Art und Weise, wie kann man das bestmögliche Zusammenleben, das bestmögliche Allgemeinwohl miteinander verhandeln. Das ist jetzt völlig egal ob lutzemburger Staatsgebiet oder in der Bundesrepublik Oberin Europa. Im Prinzip ist es immer gleich und das ist sehr sehr gut, wenn man das mal erlebt und übt, auch in einem Kontext, der einen selbst direkt betrifft […]Finden Sie denn, dass es gerechtfertigt ist, auch die Unterstufe zu integrieren, obwohl [einige erst] zehn Jahre alt sind?
Total! Ich bin auch eine große Verfechterin von demokratischen Verfahren in Kitas, wir fangen sehr sehr früh inzwischen an. Ich glaube man kann nicht früh genug damit beginnen zur lernen, dass jemand einmal sein eigenes Bedürfnis wahrnimmt, eine eigene Position formulieren kann, aber auch lernt wahrzunehmen, dass ein Gegenüber vielleicht eine andere Position hat und, dass beide auch legitim sind und, dass es dann am Ende darum geht, zu schauen: wie kommen wir zu einer gemeinsamen Sichtweise […] . Und ich glaube, das ist sehr gut wenn man das möglichst früh lernt.
[…]
Haben Sie damals [bei Ihrem letzten Besuch bei Schule als Staat] irgendwelche anderen Eindrücke gehabt als heute?
Also wenn ich mich recht erinnere war damals noch mehr analog, wir haben uns gerade über das komplett digitale Zahlungssystem unterhalten und auch die ganze digitale Kommunikation, das ist damals noch anders gewesen. Und da sieht man einfach auch […], dass sich die Dinge weiterentwickeln[…]. Und das ist auf jeden Fall hoch beeindruckend, finde ich, wie das gelöst ist.
[…]
(Interview von Isabel Müller 10c, Antonio Pensa Rautenbach 5a)
